Die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag gilt als eine der wichtigsten der letzten Jahre. Sofern es keine Überraschung in letzter Minute gibt, wird die von Christine Lagarde geleitete Institution voraussichtlich die erste Zinserhöhung seit 2025 beschließen, und die ersten Auswirkungen zeigen sich bereits beim Euribor. Der wichtigste Referenzzinssatz für variable Hypotheken verzeichnet seit drei Monaten in Folge Anstiege und hat den Mai bei 2,804 % abgeschlossen – dem höchsten Stand seit 20 Monaten. Diese Entwicklung ist kein Zufall: Der Euribor nimmt in der Regel die Entscheidungen der EZB vorweg und spiegelt die Markterwartungen hinsichtlich der künftigen Zinsentwicklung wider. Daher sollte eine Zinserhöhung am 11. Juni keinen unmittelbaren, sprunghaften Anstieg des Indikators auslösen, da diese Erwartung bereits in den aktuellen Kursen eingepreist ist. Dennoch wird die Botschaft, die Lagarde vermittelt, fast genauso wichtig sein wie die eigentliche Entscheidung. Sollte die EZB andeuten, dass in der zweiten Jahreshälfte weitere Erhöhungen folgen könnten, könnte der Euribor die 3 %-Marke erreichen oder sogar überschreiten, was die Raten für Hypothekendarlehen verteuern würde. „Angesichts der aktuellen Lage ist es sehr unwahrscheinlich, dass dies die letzte Zinserhöhung sein wird. Alles hängt davon ab, wie sich die Inflation in den kommenden Monaten entwickelt“, prognostizieren zudem die Experten von HelpMyCash.
Teure Hypotheken bei Immobilienpreisen auf Rekordniveau
Für Kreditnehmer mit variablen Hypotheken ist das Szenario nach der EZB-Sitzung wenig günstig. Bei den genannten Euribor-Werten werden die monatlichen Raten ihrer Kredite durch die regelmäßigen Anpassungen weiter steigen. Nach Schätzungen von Analysten der letzten Wochen kann eine durchschnittliche Hypothek von 150.000 Euro mit 25 Jahren Laufzeit und einem Aufschlag von einem Prozentpunkt bei einer jährlichen Überprüfung um etwa 57 Euro pro Monat teurer werden, was rund 700 Euro zusätzlich pro Jahr bedeutet. Auch der Zugang zu Finanzierungen wird für diejenigen schwieriger, die noch keine Hypothek haben, aber den Kauf einer Immobilie planen, da die Banken ihre Angebote an das neue Zinsumfeld anpassen und die Bedingungen zunehmend verschärfen. All dies führt zu höheren Raten und strengeren Anforderungen an die Zahlungsfähigkeit: „Wer eine Hypothek sucht, steht vor einer ungewöhnlichen Situation: sehr hohe Immobilienpreise und ebenfalls sehr hohe Finanzierungskosten“, erläutern die Ökonomen des Vergleichsportals für Bankprodukte. Sie argumentieren weiter: „Traditionell neigen die Immobilienpreise dazu, sich zu mäßigen, wenn die Finanzierung teurer wird. Doch derzeit erleben wir eine Ausnahmesituation, in der beide Variablen auf sehr hohem Niveau verharren.“ Sollte die Zentralbank jedoch signalisieren, dass es sich um eine einmalige Anpassung im Zusammenhang mit dem Anstieg der Energiepreise handelt, könnte sich der Euribor in den kommenden Monaten stabilisieren. Bestätigt sie hingegen weitere Zinserhöhungen im Laufe des Jahres, werden die Belastungen weiter steigen. Read More
