Das Gerücht über eine mögliche Fusion zwischen AstraZeneca und Bristol Myers Squibb reichte aus, um den Pharmasektor in Aufruhr zu versetzen. Einige Tage lang preiste der Markt bereits eine Transaktion ein, die zu den größten der Branchengeschichte gezählt hätte. Doch die neuesten Informationen deuten darauf hin, dass beide Unternehmen derzeit keine aktiven Gespräche führen und die Fusion aktuell nicht zur Debatte steht. Dennoch lieferte die Kursreaktion auf das Gerücht eine sehr interessante Erkenntnis. Für Manuel Pinto, Marktanalyst bei XTB, hätte eine Kombination aus AstraZeneca und Bristol Myers Squibb eine offensichtliche industrielle Logik, doch die Vorteile wären sehr ungleich verteilt. Für BMS wäre es eindeutig eine positive Transaktion, während für AstraZeneca der Wert vom Preis, den Synergien und der Fähigkeit abhängen würde, ein Unternehmen mit schwächerem Wachstum zu integrieren. Die Fusion würde einen der größten Pharmakonzerne der Welt schaffen, mit rund 107 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz und einer gemeinsamen Bewertung von fast 400 Milliarden. AstraZeneca würde seine Präsenz in den USA deutlich stärken und sein Portfolio in den Bereichen Onkologie, Hämatologie, Kardiologie, Immunologie und Neurowissenschaften erweitern.
Fusionen bringen jedoch nicht immer Vorteile. Beide Unternehmen weisen erhebliche Überschneidungen bei Krebstherapien auf, was eine besonders strenge regulatorische Prüfung nach sich ziehen und sie sogar zum Verkauf bestimmter Vermögenswerte zwingen könnte. Für Bristol Myers Squibb wäre die Fusion deutlich leichter zu rechtfertigen. Das Unternehmen hat gerade solide Ergebnisse mit einem Quartalsumsatz von fast 13 Milliarden US-Dollar vorgelegt, sieht sich jedoch weiterhin mit bedeutenden Patentabläufen konfrontiert. Eliquis und Opdivo machen etwa die Hälfte des Umsatzes aus und werden ihren Patentschutz nach und nach verlieren, während mehrere ältere Medikamente bereits starke Rückgänge verzeichnen. Das Wachstumspotenzial der Produktpipeline entwickelt sich zwar, doch bestehen weiterhin Zweifel, ob diese Einnahmen vollständig ersetzt werden können. Der Zusammenschluss mit AstraZeneca würde dieses Risiko verringern, die Vertriebskapazitäten erhöhen und die Entwicklung einiger Medikamente beschleunigen. Zudem wird BMS mit einer deutlich niedrigeren Bewertung als andere große Pharmakonzerne gehandelt, sodass die Aktionäre von einer Prämie und der Zugehörigkeit zu einem wachstumsstärkeren Konzern profitieren könnten.
Für AstraZeneca hingegen ist die Transaktion schwieriger zu rechtfertigen. Das Unternehmen verfügt über ein gutes Innovationsprofil, strebt bis 2030 einen Umsatz von 80 Milliarden US-Dollar an und das Management hat kürzlich betont, dass keine großen Übernahmen notwendig sind, um dieses Ziel zu erreichen. AstraZeneca könnte an Wert verlieren, obwohl auch Risiken durch den Verlust der Exklusivität von Farxiga bestehen und durch… Read More
