Die nächste Woche wird entscheidend für die Finanzmärkte sein, aber auch für Millionen von Familien, die die Entwicklung von Hypotheken, Inflation und Ersparnissen genau verfolgen. Die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am 11. Juni rückt die Zinssätze erneut in den Mittelpunkt, da die Inflation weiterhin die geldpolitischen Entscheidungen beeinflusst. Die Märkte warten gespannt auf die Entscheidung der EZB und versuchen herauszufinden, ob sich die europäische Institution dem Ende ihres Zinssenkungszyklus nähert oder ob noch Spielraum für weitere Senkungen des Geldpreises besteht. Diese Unsicherheit tritt zudem in einem Umfeld wirtschaftlicher Abschwächung in Europa auf, das durch geopolitische Spannungen verursacht wird. Aymeric Gastaldi von Rothschild AM weist darauf hin, dass eine Zinserhöhung das zugrunde liegende Problem nicht lösen wird, wenn der Inflationsdruck aus dem Krieg oder aus importierten Energiekosten resultiert. Es handelt sich um eine Angebotsinflation, nicht um eine Nachfrageinflation. Höhere Zinsen in Europa würden die Preise für importiertes Öl oder Gas nicht senken, sondern „die wirtschaftliche Aktivität noch weiter belasten“, so der Experte. In diesem Sinne geht die Entscheidung der EZB weit über die Finanzmärkte hinaus.
Hypotheken und die EZB: Einer der Bereiche, die am empfindlichsten auf Zinsbewegungen reagieren, ist der Immobiliensektor. Bei Housfy ist man der Ansicht, dass die Entwicklung der Finanzierung auch in der zweiten Jahreshälfte entscheidend für den Wohnungsmarkt bleiben wird. „Der Markt funktioniert weiterhin, ist aber in eine viel rationalere Phase eingetreten. Käufer treffen keine impulsiven Entscheidungen mehr, und jede Veränderung der Finanzierungskosten hat unmittelbare Auswirkungen auf die Nachfrage“, erklärt Joan Balasch, Hypothekenleiter bei Housfy. Laut dem Unternehmen würde eine mögliche Zinserhöhung die Finanzierungsbedingungen weiter verschärfen und die Zahl der Transaktionen verringern, während eine Pause den intensiven Wettbewerb unter den Banken bei Hypothekenprodukten, wie er in den letzten Monaten zu beobachten war, aufrechterhalten würde. Eine weitere Zinssenkung könnte die Nachfrage wieder ankurbeln, würde aber auch den Preisdruck in den Regionen erhöhen, in denen das Wohnungsangebot weiterhin unzureichend ist.
Sitzung der FED: 17. Juni. Die Debatte über die Zinssätze beschränkt sich nicht auf Europa. In den Vereinigten Staaten bleibt die Aufmerksamkeit auf die Federal Reserve (Fed) gerichtet, deren Strategie weiterhin von der Entwicklung der Inflation und des Arbeitsmarktes bestimmt wird. Die jüngsten Arbeitsmarktdaten zeigen eine widerstandsfähigere Wirtschaft als erwartet, auch wenn sich in einigen Indikatoren erste Ermüdungserscheinungen abzeichnen. Für Paolo Zanghieri, Senior Economist bei Generali Investments, bestärkt die Stärke des US-Arbeitsmarktes die Vorsicht der Zentralbanken gegenüber weiteren Zinssenkungen. Obwohl das Unternehmen mittelfristig weiterhin mit einer geldpolitischen Lockerung rechnet, ist die hohe Inflation nach wie vor ein entscheidender Faktor. Read More
